Grundbedürfnisse

Wasserhähne aller Couleur und Erhaltungszustände allerorten

Wasser im Keller ist gut – besser ist, wenns oben fliesst. Ein freundlicher Handwerksengel hat inzwischen einen fliegenden Anschluss für die Toilette und eine Küche verlegt und hinter der Schüssel einen Spülkasten verbaut. Aaah. Endlich nicht mehr mit dem Eimer aufs Klo!

Toilette – vorher

Von hängenden Schränken und hängenden Schultern

Der Einbau der Küchenzeile im Sala Conferenze ging natürlich nicht ganz ohne irgendeinen Fauxpas von statten. Die Madame war an jenem Abend schon sehr müde und der Monsieur und sie hatten Besuch von einem Freund, der auch schon länger mit der Brauerei liebäugelt und sich die Örtlichkeiten mal ansehen wollte. An jenem Abend floss natürlich auch schon der ein oder andere Tropfen des goldenen Saftes aus Ummenhofen. Es hätte so gemütlich sein können für den Monsieur und den Besuch, hätte sich die Madame nicht in den Kopf gesetzt, unbedingt noch die Hängeschrankzeile der Kücheneinheit zu montieren.

Der Monsieur und der Besuch meckerten ohnehin schon, weil dieser Hängeschrank – ja, ich muss ihnen leider beipflichten – nicht wirklich mit Schönheit übersät ist. Aber was soll´s. Während der Bauphase kann man auf eine gewisse Pragmatik nicht verzichten, denn würde man sich jetzt schon in den ästhetischen Details verlieren, wäre man vermutlich irgendwann so weit, dass man den Handwerkern einen Dresscode auferlegt, bevor sie zur Hilti greifen. Apropos Hilti: Die Madame hat dann kurzerhand die Abstände zwischen den Haken des Hängeschranks ausgemessen und wie von der Tarantel gestochen 8 Löcher mit dem Schlagbohrhammer in die Wand gehauen. Das hat den Besuch erstmal mächtig beeindruckt. Wirkte sie doch so entschlossen und hemdsärmlig mit ihrer frisch installierten Wasserwagen-App, dass man nicht ansatzweise wagte, den positiven Ausgang ihres Vorhabens in Frage zu stellen.

Umso mächtiger flog der Madame dann das Gelächter der Herren um die Ohren, als sie feststellte, dass sie die Löcher spiegelverkehrt in die Wand gebohrt hatte. Herrschaftszeiten! 50 Jahre Emanzipation beim Teufel. Den Klassiker aller Klischees bestätigt. In Gedanken lief sie vor einer mit mahnend erhobenem Krückstock folgenden Alice Schwarzer davon. Und sie tat etwas, was sie schon lange nicht mehr tat. Sie schämte sich. Sie schämte sich für ihre maßlose Ungeduld. Mehr noch für die mangelnde Selbsteinschätzung. Um Mitternacht sollte der Schlagbohrhammer einfach schlafen. Dann hängt halt der Schrank  erstmal nicht, sondern ruht eine Nacht auf der Küchenzeile.

Man bemerke übrigens die Holzvertäfelung der 80er Jahre. Die erinnert mich an meine Kindheit, in der jeder Hausbesitzer, der etwas auf sich hielt, eine Bar in seinen Partykeller zimmerte. Eine Bar im holzvertäfelten Raum. Die Bar im Keller ist mittlerweile out. Die Generation von heute baut lieber Pizzaöfen in den Garten. Ich bin mal gespannt, welche Trends sich im nächsten Jahrzent abzeichnen. Vielleicht ein Hochsitz im eigenen Garten?

Lärm auf dem stillen Örtchen

Nun da mit der Einrichtung des Baustroms der zweite Schritt in die Zivilisation getan war, konnten wir uns getrost einer weiteren großen gesellschaftlichen Errungenschaft widmen: Dem stillen Örtchen.

Dank des netten und weit über den Tellerrand blickenden Elektrikers aus Stetten, der obendrein noch Klempner ist, haben wir seit dem 4. Mai nicht nur Strom, sondern auch ein funktionierendes Klo. Die alte Signori-Herrentoilette wurde am selben Tag von den freundlichen Mitarbeitern des Elektroklempners in Betrieb genommen. Mühselig habe ich am Tag davor die alten Pissoirs abgeschlagen. Eigentlich wollte ich sie klassisch abmontieren – wie sich das eben gehört, wenn man eine gewisse Ehrfurcht hat vor der Ganzheit der gefertigten Dinge hat. Doch spätestens am Wertstoffhof hätte ihnen das gleiche Schicksal geblüht wie dann letztlich doch im Signori-Klo. Übrig bleibt am Ende nur ein Scherbenhaufen. Also folgte ich dem Rat des pragmatisch denkenden Elektroklempners und griff zum Hammer. Und ich kann nicht leugnen, dass mir das Abschlagen doch eine gewisse Freude bereitet hat. Eine befreiende Freude. Eine von der Art, die man empfindet, wenn man erfolgreich einen Pickel ausgedrückt oder sich anderweitig entledigt hat. Hier will ich nun aber gar nicht weiter ins Detail gehen.

Wirft man einen Blick auf die Pissoirs und richtet diesen etwas nach unten, wird das geschulte, männliche Auge eine Einrichtung erkennen, die vom Volksmund gern als „Piss-Rinne“ bezeichnet wird. Diese führte zumindest bei den bisherigen männlichen Besuchern zu leuchtenden Augen und löste Visionen aus, die für die Madame wie für alle anderen Frauenzimmer der westlichen Welt äußerst unangenehmer Natur sind. Denkt gar nicht daran, Männer! Jahrzente von sanitärer Zivilisationsgeschichte wären umsonst gewesen. An dieser Stelle muss ich an Norbert Elias denken, den Soziologen, der den Prozess der Zivilisation als „die Umsetzung von Fremdzwängen ins Selbstzwänge“ versteht. Das heißt, meine lieben Frauen, dass die Männer, die mehr oder weniger freiwillig zum Club der Sitzpinkler konvertiert haben, zwar ein Paradebeispiel für ein zivilisiertes Dasein darstellen, die Piss-Rinne aber folglich zum Symbol der längst überfälligen Revolution vieler Pantoffelhelden mutieren könnte und eine Gegenbewegung zur Emanzipation lostreten würde. Genug von den Horrorszenarien!

Jedenfalls wird die Signori-Toilette mit einem Gartenschlauch betrieben. Einem trinkwasserfesten Gartenschlauch, der gleichzeitig (haltet Euch fest, denn jetzt wird’s dekadent!) die kleine Spülmaschine und den Wasserhahn für das Spülbecken im Nebenzimmer speist. Die Madame hat nämlich am Wochenende eine gebrauchte Küchenzeile erworben, die sie mit dem Monsieur gleich in das Aufenthaltszimmer, den „Sala Conferenze“ gebaut hat. Der Sala Conferenze ist der einzige Raum, in dem es nicht staubt. Hier sollen sich künftig alle Handwerker, Helfer und Freunde des Hauses aufhalten können.