Neue Gastlichkeit

Die letzten 15 Jahre hat der Rappen nur gelegentliche Besucher beherbergt, die Kritzeleien an den Wänden geben Zeugnis und erzählen Geschichten, vom Satan, von Angst oder von der Zeichenwut der Besucher. Bier jedoch wurde hier schon länger nicht mehr ausgeschenkt.

Gedeckte Tische im Rappen

Und so war es an der Zeit, mal wieder die Tische zu decken und ein Fässchen aufzumachen.

Fassbier im Rappen

Was zunächst als gediegener Abend im Kreis geladener Gäste begann, wurde vom elitären Zirkel zu einem ungeplanten Spontanevent mit einer nicht unerheblichen Zahl von Gästen, als die ersten Zaungäste von Draussen durchs Fenster spähten und Einlass begehrten. Kurz und gut: Das Essen ging auf, das Fass wurd leer, und die illustre Runde der geladenen und ungeladenen Gäste hätte am liebsten gleich einen Stammtisch eingerichtet.

Grundlagenbüffäh

Die Rappenwirtin hats gefreut, das Haus nach seinem viele Jahre dauernden Dörnröschenschlaf wieder mit Leben erfüllt zu sehen.

Dem Herrn mit dem rostigen Toyotabus blieb der Kehraus: Kippen, Zigarettenschachteln (Jungs: Wer hat die volle Packung verloren?), Flaschensammeln und ein weiteres Fenster zu vernageln, an das sich wohl ein unachtsamer Besucher etwas zu fest gelehnt hatte.

Der Regen bringt es an den Tag

Der Regen bringt es an den Tag: Es tropft auch nach der notdürftigen Flickaktion noch ein wenig durchs Dach. Der Deckenputz ist ab, die Deckenlattung durchlässig und so helfen nun zwei Eimer im Obergeschoss, dass das feuchtelnde Mauerwerk des Rappen erstmal weiter in der Sonne trocknen kann.

Regen
Regensammler im Westzimmer

A man’s best friend…

Unsere Freunde Hammer und Hammer

Es summt und kracht und rumpelt im Haus.

Die Freunde Hammer und Hammer machen Krach und Staub und füllen den Container vor dem Haus mit Putz. Tapeten, Staub und Schimmel sind die Gegner. Holzecken aus Holzimitat, Styropor und Verbundmaterialien säumen den Weg.

Was unter dem Putz zum Vorschein kommt, ist oft vielversprechend und insgesamt besser erhalten als erwartet.

Baugeheimnisse

Ein Haus mit Vergangenheit ist ein Haus mit Überraschungen, die beim Putzklopfen zwangsweise zum Vorschein kommen. Irgendwann wurde das Haus zur Straße zur Südseite hin, und irgendwann auch zur Ostseite in Richtung Korngasse hin erweitert – der Knick in der Dachschräge zeigts von aussen.

Eine Zimmerdecke – zwei Deckendielen- und Putzvarianten. Links im Bild der neue Teil mit Schilfmattenputz

Im Haus innen sieht das in den Räumen im Obergeschoss der Südseite so aus, dass sich zwei verschiedene Putzvarianten (aufgerauhte Deckenlatten und klassischer Schilfputz) quer durch die Zimmerdecke ziehen und man in der ehemaligen Ostwand noch die alte Form der Grundmauer zur Kornstrasse hin erkennt.

Ehemalige Außenwand der Südseite zur Kornstraße hin. Rechts unten in der erweiterten Mauer die Reste eines dort installierten Waschbeckens.
Dachtraufe heute in gleicher Form – nur etwas nach Süden und um einiges nach oben verschoben.

Daneben kam beim Putzabschlagen an der ehemaligen Ostwand, heute mitten im Haus, ein Fenster oder eine Blendnische zutage, die der Farbgebung nach irgendwann vor der Jahrhundertwende mal Plan mit der Wand vermauert wurde.

Vermauertes Portal der ehemaligen Aussenwand der Ostseite

Für mich ist unklar, ob ich hier vor einer mit Vollziegeln vermauerten Blendnische oder vor einem ehemaligen Fenster stehe.

Blendnische oder ehemaliges Fensterportal in Richtung Osten zur Kornstrasse vor der Verlängerung des Hauses nach Abtrag der Nischenvermauerung. Darunter wieder verputzte Ziegel.
Dachtraufe

Auf der Südseite findet sich auch noch ein altes Fenster, das seinerzeit wohl auch ohne viel Federlesen und vor allem ohne den alten Putz zu entfernen vermauert wurde.

Ehemaliges Fenster zur Kappelgasse

Das Fenster in der Südwand wurde offenbar in zwei Stufen vermauert, meine Vermutung ist, dass das Haus zuerst nach Süden und erst später nach Osten erweitert wurde und der Fensterbogen nach der Erweiterung des Hauses Richtung Osten vermauert wurde. Schade, dass es keine historischen Ansichten der verschiedenen Ausbaustufen gibt. Eine Anfrage beim Stadtarchiv ist gestellt – vielleicht geben die Unterlagen hier mehr zur Zeitstellung der diversen Erweiterungen her.

Wir klopfen einstweilen weiter und lassen uns weiter überraschen – es gibt viel maroden Putz und eine ganze Reihe durch den Putz erkennbarer alter Fensterbögen und Mauerstöße im Haus.

Holz vor der Hüttn

In den letzten Tagen haben wir uns den ehemaligen Gastraum vorgeknöpft. Ein netter Hobbybrauer in spe rückte am Sonntag mit Schubkarren und Kuhfuß an und half mir, die Wandvertäfelung zu entfernen. Diese hatte sich über die letzten Jahrzehnte richtig schön vollgesaugt. Mein erster Impuls war, die Teile auszwringen. Die Wand freut sich sichtlich, war es ihr endlich wieder möglich zu atmen. Man konnte fast im Minutentakt beobachten, wie sie sich verfärbte und die Fäulnis wich.

Ohne Holzvertäfelung sah das Ganze zunächst so aus: