Solides Mädchen gesucht

Unter vielen Tapetenschichten kommen immer wieder alte Zeitungen zum Vorschein. Früher™ hat man das so gemacht – erst die Zeitung von Gestern, dann die Tapete an die Wand.
An der Wand vor seinem Schreibtisch fällt der Blick des geneigten Arbeiters immer wieder darauf:

Solides Mädchen für Küche und Haus bei sehr gutem Lohn gesucht…

Die Zeitung stammen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und sind in vielerlei Hinsicht eine Zeitreise. Und während man ein solides Mädchen in Küche und Haus noch immer gut gebrauchen kann, frage ich mich oft, ob die paar „neue Matratzen“ in Söndergröße wohl schlussendlich ihre Abnehmer gefunden haben mögen, ehe die Augen wieder auf die präsentation der täglichen Projekte auf dem Monitor zurückfinden.

Alles! Muss! Raus!

Der Rappen hat schon den ein oder anderen Besitzerwechsel in seiner Vergangenheit erlebt. Letztens hat die Wirtin gar das Brauequipment versteigern lassen:

Die Augsburgische OrdinariPostzeitung schreibt am 1. May, anno 1816:

alles muss raus

Barbara Leser, verwittwete Rabenwirthin dahier, gedenkt nachstehende Gegenstände aus freyer Hand an die Meistbietenden zu verkaufen, als:

  1. Ein ganz gut gemauerts und gewölbtes Bräuhaus mit Walzrennen und Schweig
  2. eine kupferne 16 Schuhe lange und 9 Schuhe breite Satteldarre
  3. eine Bräupfanne 4 1/2 Schuhe breit und 2 Schuhe 9 Zoll tief
  4. einen Hopfenfeiger
  5. ein Ihrgeschirr mit eisernen Reifen
  6. eine steinerne Weich zu 6 Schäffel
  7. einen steinernen Grand 5 Schuhe 7 Zoll lang und 2 Schuhe breit
  8. eine ganz neue Kühle 18 Schuhe lang und 13 breit
  9. mehrere Stell- und andere Bierfässer jeder Gattung
  10. verschiedene Bräu- und Haugeräthschaften.

Zur Versteigerung dieser Objekte will man am Samstag den 22. l. M. in dem Wirthshausgebäude der Verkäuferin anberaumet haben, an welchem Tage Frühe Morgens 8 Uhr die Käufer sich daselbst einzufinden belieben wollen. Mindelheim, den 12. Jun. 1816.
Königlicher Advokat Oppert.

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Wenn einer der Käufer noch was davon im Keller hat: Die Satteldarre, den Hopfenfeiger und die Bräupfanne würde die Rappen-Braugemeinde anno 2017 gerne zurückkaufen.

Rappenverkäufe – 1737

Die Bierstube zum Rappen war früher immer wieder auch der „Rabenwirth“. Wenn man in den Archiven so liest, wars wohl nie die feinste Adresse, und manchmal musste dann halt auch verkauft werden – oder aber schnell die Wirtstochter unter die Haube gebracht:

(Transkript, mit Dank an den Mindelheimer Stadtarchivar Andreas Steigerwald:)

Supplication: Balthasar Groz, Schreiner und Anwaldt der Andreas Kirchmayrs Hausfrau erscheint vor Rhat und bittet gehorsamblich, mit Verkhauffung der Rappen-Wirthschafft einen 4-woechentlichen obrigkeitlichen Stillstand zue halten, in welcher die vorhandene loedige Tochter ainen Heyraths-Anstand hierauf bekhommen möchte, womit die Schuldner contentiert würden.
Resolution: Die Dillation solle auf 4 Wochen zuegestanden, entgegen sye gehalten und schuldig seyn, auf Mitl und Weeg zuetrachten, damit die Schuldner bezahlt werden.

Kurzum: Die Besitzerin hat 1737 um Aufschub des Zwangsverkaufs gebeten, um in vier Wochen die ledige Tochter zu verheiraten, um mit der Mitgift die Schulden zu bezahlen.

 

Archivalische Quelle: STAMind., Inv.-Nr.: II A 1 (1737): „Rhats-Protocoll
der Churfürstlich-Bayrischen Statt Mündelhaimb pro anno 1737“