Geschlossene Gesellschaft

Der Winter geht in den Hochsommer über und im Rappen wird wieder gesessen, gefeiert, gefeuert. Ausgewintert war fix und hergerichtet dank der tatkräftigen Hilfe der auftreiberten Orga aus dem geheimnisvollen BOA auch.

Feuerschale im Hof

Wir bedanken uns bei den Veranstaltern, den Essern und den Besuchern – auch für uns wars ein schöner Abend, der länger ging, als wir eigentlich vorgehabt hatten.
Wir sind einer Wiederholung beizeiten nicht abgeneigt.

Solides Mädchen gesucht

Unter vielen Tapetenschichten kommen immer wieder alte Zeitungen zum Vorschein. Früher™ hat man das so gemacht – erst die Zeitung von Gestern, dann die Tapete an die Wand.
An der Wand vor seinem Schreibtisch fällt der Blick des geneigten Arbeiters immer wieder darauf:

Solides Mädchen für Küche und Haus bei sehr gutem Lohn gesucht…

Die Zeitung stammen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und sind in vielerlei Hinsicht eine Zeitreise. Und während man ein solides Mädchen in Küche und Haus noch immer gut gebrauchen kann, frage ich mich oft, ob die paar „neue Matratzen“ in Söndergröße wohl schlussendlich ihre Abnehmer gefunden haben mögen, ehe die Augen wieder auf die präsentation der täglichen Projekte auf dem Monitor zurückfinden.

Neue Gastlichkeit

Die letzten 15 Jahre hat der Rappen nur gelegentliche Besucher beherbergt, die Kritzeleien an den Wänden geben Zeugnis und erzählen Geschichten, vom Satan, von Angst oder von der Zeichenwut der Besucher. Bier jedoch wurde hier schon länger nicht mehr ausgeschenkt.

Gedeckte Tische im Rappen

Und so war es an der Zeit, mal wieder die Tische zu decken und ein Fässchen aufzumachen.

Fassbier im Rappen

Was zunächst als gediegener Abend im Kreis geladener Gäste begann, wurde vom elitären Zirkel zu einem ungeplanten Spontanevent mit einer nicht unerheblichen Zahl von Gästen, als die ersten Zaungäste von Draussen durchs Fenster spähten und Einlass begehrten. Kurz und gut: Das Essen ging auf, das Fass wurd leer, und die illustre Runde der geladenen und ungeladenen Gäste hätte am liebsten gleich einen Stammtisch eingerichtet.

Grundlagenbüffäh

Die Rappenwirtin hats gefreut, das Haus nach seinem viele Jahre dauernden Dörnröschenschlaf wieder mit Leben erfüllt zu sehen.

Dem Herrn mit dem rostigen Toyotabus blieb der Kehraus: Kippen, Zigarettenschachteln (Jungs: Wer hat die volle Packung verloren?), Flaschensammeln und ein weiteres Fenster zu vernageln, an das sich wohl ein unachtsamer Besucher etwas zu fest gelehnt hatte.

Der Regen bringt es an den Tag

Der Regen bringt es an den Tag: Es tropft auch nach der notdürftigen Flickaktion noch ein wenig durchs Dach. Der Deckenputz ist ab, die Deckenlattung durchlässig und so helfen nun zwei Eimer im Obergeschoss, dass das feuchtelnde Mauerwerk des Rappen erstmal weiter in der Sonne trocknen kann.

Regen
Regensammler im Westzimmer

A man’s best friend…

Unsere Freunde Hammer und Hammer

Es summt und kracht und rumpelt im Haus.

Die Freunde Hammer und Hammer machen Krach und Staub und füllen den Container vor dem Haus mit Putz. Tapeten, Staub und Schimmel sind die Gegner. Holzecken aus Holzimitat, Styropor und Verbundmaterialien säumen den Weg.

Was unter dem Putz zum Vorschein kommt, ist oft vielversprechend und insgesamt besser erhalten als erwartet.

Lärm auf dem stillen Örtchen

Nun da mit der Einrichtung des Baustroms der zweite Schritt in die Zivilisation getan war, konnten wir uns getrost einer weiteren großen gesellschaftlichen Errungenschaft widmen: Dem stillen Örtchen.

Dank des netten und weit über den Tellerrand blickenden Elektrikers aus Stetten, der obendrein noch Klempner ist, haben wir seit dem 4. Mai nicht nur Strom, sondern auch ein funktionierendes Klo. Die alte Signori-Herrentoilette wurde am selben Tag von den freundlichen Mitarbeitern des Elektroklempners in Betrieb genommen. Mühselig habe ich am Tag davor die alten Pissoirs abgeschlagen. Eigentlich wollte ich sie klassisch abmontieren – wie sich das eben gehört, wenn man eine gewisse Ehrfurcht hat vor der Ganzheit der gefertigten Dinge hat. Doch spätestens am Wertstoffhof hätte ihnen das gleiche Schicksal geblüht wie dann letztlich doch im Signori-Klo. Übrig bleibt am Ende nur ein Scherbenhaufen. Also folgte ich dem Rat des pragmatisch denkenden Elektroklempners und griff zum Hammer. Und ich kann nicht leugnen, dass mir das Abschlagen doch eine gewisse Freude bereitet hat. Eine befreiende Freude. Eine von der Art, die man empfindet, wenn man erfolgreich einen Pickel ausgedrückt oder sich anderweitig entledigt hat. Hier will ich nun aber gar nicht weiter ins Detail gehen.

Wirft man einen Blick auf die Pissoirs und richtet diesen etwas nach unten, wird das geschulte, männliche Auge eine Einrichtung erkennen, die vom Volksmund gern als „Piss-Rinne“ bezeichnet wird. Diese führte zumindest bei den bisherigen männlichen Besuchern zu leuchtenden Augen und löste Visionen aus, die für die Madame wie für alle anderen Frauenzimmer der westlichen Welt äußerst unangenehmer Natur sind. Denkt gar nicht daran, Männer! Jahrzente von sanitärer Zivilisationsgeschichte wären umsonst gewesen. An dieser Stelle muss ich an Norbert Elias denken, den Soziologen, der den Prozess der Zivilisation als „die Umsetzung von Fremdzwängen ins Selbstzwänge“ versteht. Das heißt, meine lieben Frauen, dass die Männer, die mehr oder weniger freiwillig zum Club der Sitzpinkler konvertiert haben, zwar ein Paradebeispiel für ein zivilisiertes Dasein darstellen, die Piss-Rinne aber folglich zum Symbol der längst überfälligen Revolution vieler Pantoffelhelden mutieren könnte und eine Gegenbewegung zur Emanzipation lostreten würde. Genug von den Horrorszenarien!

Jedenfalls wird die Signori-Toilette mit einem Gartenschlauch betrieben. Einem trinkwasserfesten Gartenschlauch, der gleichzeitig (haltet Euch fest, denn jetzt wird’s dekadent!) die kleine Spülmaschine und den Wasserhahn für das Spülbecken im Nebenzimmer speist. Die Madame hat nämlich am Wochenende eine gebrauchte Küchenzeile erworben, die sie mit dem Monsieur gleich in das Aufenthaltszimmer, den „Sala Conferenze“ gebaut hat. Der Sala Conferenze ist der einzige Raum, in dem es nicht staubt. Hier sollen sich künftig alle Handwerker, Helfer und Freunde des Hauses aufhalten können.