Geschlossene Gesellschaft

Der Winter geht in den Hochsommer über und im Rappen wird wieder gesessen, gefeiert, gefeuert. Ausgewintert war fix und hergerichtet dank der tatkräftigen Hilfe der auftreiberten Orga aus dem geheimnisvollen BOA auch.

Feuerschale im Hof

Wir bedanken uns bei den Veranstaltern, den Essern und den Besuchern – auch für uns wars ein schöner Abend, der länger ging, als wir eigentlich vorgehabt hatten.
Wir sind einer Wiederholung beizeiten nicht abgeneigt.

Wir haben Wasser

Bauwasser. Nur Bauwasser. Immerhin Bauwasser. Auf Anraten des freundlichen Mannes vom Wasserwerk „vorerst bitte nur“ Bauwasser. Ich mag die Männer vom Wasserwerk. So wie ich auch die meisten Männer vom Bauhof mag. Die wirken immer so aufgeräumt. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie ganz genau wissen, dass ohne sie nichts läuft. Diese Männer haben in meinen Augen die geringste Affinität zu Sinnkrisen. Wenn mal etwas nicht so läuft, mault man halt mal rum, trinkt vielleicht am Abend ein Bierchen mehr und dann isses aber wieder gut. Beneidenswert. Dieses Maß an unspektakulärer Unkompliziertheit. Das mag jetzt freilich auch einfach nur meiner geschlechtsspezifischen Wahrnehmung geschuldet sein. Am Ende des Tages ist womöglich jeder Mann so, wenn man ihn nur lässt? Und wenn die dramenbehafteten Damen mit der Zeit weder fad noch hysterisch werden? Hilfe, Gedankenexkurs! Schnell zurück zum Wasser:

Der Wasseranschluss befindet sich – wie das flüssige Gold – ebenfalls im schimmligen Gewölbekeller. Falls sich jemand fragt, wo im Sommer die ganzen Mücken herkommen – voilá. Hier befindet sich eine der führenden Produktionsstätten Mindelheims. Feucht und ungestört kann hier die neue Generation heranwachsen. Die Generation Blutsauger. Doch ein weit faszinierenderes Element dieses Kellers ist die Bierluke: Ein mit einer in den Bürgersteig eingelassenen Eisenklappe abgedecktes Loch vor dem Haus, durch das man früher die Fässer nach unten gerollt hat. Auch die Kühlanlage befindet sich noch vor Ort. Allerdings hat der Zahn der Zeit schon etwas Lack abgenagt und durch Rost ersetzt, der farblich immerhin sehr facettenreich daherkommt.

Als mir unweigerlich die Frage in den Sinn kam, wie ich denn dieses Ding nach oben kriegen kann, um es zu entsorgen, schickte ich schnell eine Botschaft an das Entscheidungszentrum meines Gehirns, welches dafür sorgte, dass sich mein Körper und mein Blick wieder dem neuen Wasserhahn zuwandten. Dem wunderschönen, neuen Bauwasserhahn. Ich füllte einen Eimer mit Wasser und trug ihn nach oben in die Damentoilette. Im Vergleich zum Männerklo war diese noch relativ gut in Schuss. Auf dem Männerklo sah es wüst aus. Die Kloschüssel wurde herausgerissen, der Kondomautomat aufgebrochen und die rote Tapete hing von der Wand. Das einzig versöhnliche Element dieser Räuberhöhle war das Schild an der Tür. Signori.  Süß. Das hatte vermutlich der letzte Pächter des Rappen, ein italiensicher Gastwirt angebracht. „La Grotta“ hieß das Lokal seinerzeit. Wie dem auch sei. Die Grotta hat jetzt Wasser. Halleluja. Das war der erste Schritt zurück in die Zivilisation. Mögen die anderen bald folgen.